Logo Junge Akademie WittenbergJunge Akademie Wittenberg

Praxistest

Bericht

Kinderpfleger treffen Politik

Quedlinburg – 09.07.2013 – 8:23 Uhr – genau vor einer Woche hatten Auszubildende des Fachbereiches Kinderpflege sich intensiv über Herausforderungen, denen sie in ihrer Ausbildung und in ihrem Beruf begegnen, ausgetauscht und den Begegnungstag mit den PolitikerInnen Yana Mark (FDP) und Mario Hennig (SPD) geplant. An diesem Morgen trudelten sie sehr gelassen ein, der Tag sei gut vorbereitet und es müsse nicht mehr viel getan werden vor der Ankunft der Gäste. Nicht einmal ein irrtümlich ausgelöster Feueralarm konnte die Gruppe aus der Ruhe bringen. 

Konnten sich die Gäste während der Begrüßungsworte von Frau Multhaupt, Lehrkraft und Projektbegleiterin seitens der BbS Heinrich Mette, noch zurücklehnen, waren Schnelligkeit, Geschicklichkeit sowie Gedächtnisleistungen beim Kennenlernen gefragt. Zwei Schülerinnen hatten ein Spiel vorbereitet, das häufig auch im Kindergarten zum Einsatz kommt. Die Jugendlichen wiesen die PolitikerInnen bei dieser Gelegenheit natürlich auch darauf hin, dass das Spiel gezielt eigesetzt wird, um die Entwicklung und Fähigkeiten der Kinder zu fördern. So erhielten die PolitikerInnen bereits beim Kennenlernen einen lebhaften Eindruck davon, worin KinderpflegerInnen in ihrer Ausbildung geschult werden und wie diese in den Kindertagesstätten arbeiten.

Daraufhin leiteten die SchülerInnen über zu einer Diskussionsrunde, im Rahmen derer sie ihre Fragen direkt an die beiden PolitikerInnen richteten. Zur Sprache kamen Fragen und Themen rund um die Ausbildung zur Kinderpflege – Hürden bei der Beantragung von BAföG und dessen geringer Umfang oder Kritik an dem Ansatz, dass unter anderem Arbeitssuchenden durch Qualifizierungsmaßnahmen ein schneller Quereinstieg in den ErzieherInnenberuf ermöglicht wird, während KinderpflegerInnen nach ihrer zweijährigen Ausbildung weitere Ausbildungsjahre  absolvieren müssen, um ErzieherIn zu werden. Auch über berufliche Perspektiven von KinderpflegerInnen wurde diskutiert – über die Sorge, dass aufgrund des Gesetzes zum Betreuungsgeld Stellen für KinderpflegerInnen wegfallen, den Ärger darüber, dass es immer weniger Aufenthaltsangebote und Orte für Kinder und Jugendliche gäbe, darüber, wie die PolitikerInnen die Gehaltsunterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern einschätzen und schließlich, wieso Deutschland es sich leisten kann, Griechenland zu unterstützen, während es auch in Deutschland Probleme und Engpässe gibt. Wie zu erwarten war, hatten die beiden Gäste oft unterschiedliche Sichtweisen auf die Fragen der Auszubildenden und diskutierten kontrovers.

Im Anschluss an den lebendigen Schlagabtausch wurden die beiden PolitikerInnen noch mit einer Herausforderung aus dem Alltag einer KinderpflegerIn konfrontiert: in einem Rollenspiel mussten sie unvermittelt versuchen als KinderpflegerIn eine Gruppe von Kindern alleine zu betreuen. Sowohl Frau Mark, als auch Herr Hennig schlugen sich tapfer, kamen jedoch ganz schön ins Schwitzen dabei, Streitereien zwischen den Kindern zu schlichten und gleichzeitig den Bedürfnissen anderer Kinder gerecht zu werden. Im Anschluss daran berichteten die Auszubildenden von Herausforderungen, denen sie in ihrem Berufsalltag begegnen – dass sie für viele Kinder auf einmal und oft auch alleine verantwortlich sind, dass sie die große Aufgabe haben, den Kindern Werte und Normen zu vermitteln und schließlich, dass sie im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung aus ihrer Sicht sehr begrenzt auf die Praxis vorbereitet werden. Noten gab es an diesem Vormittag keine - es sei ohnehin an dieser Stelle nicht zu bewerten, ob die PolitikerInnen (so sie eine Ausbildung zur KinderpflegerIn absolvieren würden) in diesem Beruf aufgingen, kommentierte eine Auszubildende. Nicht jedem läge es, mit Kindern zu arbeiten und so entschieden sich ja auch nicht alle dafür, diesen Beruf zu wählen.  Und umso mehr sollte anerkannt werden – so Yana Mark – dass es Menschen gibt, die sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellen. Mehr Anerkennung dieses Berufsbildes durch die Gesellschaft zu entwickeln sei jedoch eine Herausforderung, welche nicht durch ein Gesetz erwirkt werden könne. Die Frage, wie dies erreicht werden könnte, konnte an diesem Vormittag jedoch nicht zur Gänze geklärt werden.

Nach der Begegnung äußerten sich die Auszubildenden überrascht, dass die beiden Gäste so offen, freundlich und interessiert mit ihnen ins Gespräch gekommen seien.  Was dennoch einige der Gruppe weiterhin beschäftigen wird ist, ob infolge von Begegnungstagen wie diesem, die Belange und Probleme der Auszubildenden in der Politik stärker berücksichtigt und aufgegriffen werden.

Querverweise

Schlagworte:  Azubis treffen Politik, Azubis und Partizipation

Projekte:  wählerIsCH

print