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Julia Barshadska / Foto: Kateryna Chernii / Evangelische Akademie

Bericht

Julia Barshadska

Die angehende Politikwissenschaftlerin Yulia erzählt von ihren Träumen, Zielen und Inspirationen. Des Weiteren berichtet sie von Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Deutschen und Ukrainern und davon, wie es ist, auf Ukrainisch hier in Deutschland zu studieren.

Nach dem Masterprogramm "Deutschland- und Europastudien“  an der  Nationalen Universität Kiew-Mohyla-Akademie habe ich festgestellt, dass ich meinen akademischen Weg auf jeden Fall in Deutschland weitergehen möchte.  Über die Ukrainische Freie Universität in München habe ich im Internet gelesen. Dort habe ich mich dann beworben. Nach ein paar Wochen habe ich die Mitteilung erhalten, dass ich zum Promotionsstudium im Fach Politikwissenschaft immatrikuliert wurde. Diese Universität ist sehr speziell, da sie die einzige Hochschule außerhalb der Ukraine ist, auf der man auf Ukrainisch unterrichtet. Hier arbeiten ukrainische und ausländische Professoren, die auf ukrainisch reden und unterrichten. Dies war ist sehr spannend und auch eine Art Experiment für mich.

Meine derzeitige Fachrichtung ist „Internationale Beziehungen“. Mein persönliches wissenschaftliches Interesse gilt der Europäischen Union und ihrer Entwicklungen in verschiedenen Bereichen. Meine Masterarbeit schrieb ich  über die sogenannten Europaregionen, einen Zusammenschluss von einzelnen Gebieten in Europa zur Förderung von Wirtschaft und kulturellem Austausch. Ich habe darüber geschrieben, wie man die Erfahrung der Europaregionen an den Grenzen der Ukraine einsetzen kann. Wir haben ein paar Europaregionen in der Ukraine, die sich nicht so erfolgreich entwickeln, wie sie sollten und könnten. Hier müssen wir noch viel lernen.

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Die oft benannte „Deutsche Ordnung“ passt ganz gut zu meinen Lebensprinzipien. Ich fühle mich in Deutschland unglaublich sicher, weil hier alles in Übereinstimmung mit dem Gesetz funktioniert und Menschen befolgen diese auch wirklich. Gleichheit und Gerechtigkeit sind meine wichtigsten Lebensprinzipien, weswegen es für mich einfach ist, in Deutschland zu wohnen.

Als erstes inspiriert mich meine Familie. Sie inspirieren mich so sehr, wie kein anderer Mensch das tun kann. Auch Deutschland selbst inspiriert mich.  Ich wache morgens auf, gehe zur Uni, abends ins Theater oder einfach durch den Park spazieren. Ich genieße jeden Moment in Deutschland. Nicht weit von meinem Wohnort gibt es einen schönen Park. Es klingt banal, aber wenn ich dort bin, befinde ich mich im Einklang mit der Natur, obwohl ich mitten in einer Metropole bin. Solche Kleinigkeiten inspirieren mich sehr.

Es gefällt mir zu analysieren, Folgerungen zu ziehen und andere Meinungen zu hören. In der Ukraine konzentrieren wir uns oft nur auf unsere eigenen Positionen und nehmen die Meinungen und Einstellungen Anderer nicht wahr. Die Entwicklung in einer multikulturellen Gesellschaft und Kontakte zu ganz unterschiedlichen Menschen erweitern unseren Horizont und geben den Anstoß zur weiteren Selbstentwicklung.

Wenn ich hier in Deutschland neue Kontakte knüpfe, sage ich immer stolz, dass ich aus der Ukraine komme. Ich will mit mir selbst als Beispiel zeigen, dass viele vorherrschende Vorurteile über die Ukraine und ihre Menschen falsch sind. Diese Stereotypen sind leider meistens ziemlich negativ behaftet. Ich will zeigen, dass Ukrainer Menschen sind, die sich entwickeln, weltoffen sind und eigene Erfahrungen und Ideen mit anderen teilen wollen.

Deutsche denken nicht so sehr über die Vergangenheit nach im Vergleich zu Ukrainern. Sie fokussieren sich auf die Gegenwart und entwerfen Pläne für die Zukunft.

In Deutschland habe ich gelernt jeden Moment des Lebens zu genießen. Die Deutschen können sehr gut Arbeit mit Entspannung verbinden. Ich bemühe mich, das bei den Deutschen abzuschauen. Nach der Arbeit muss man immer die nötige Zeit für Erholung finden.

Viele sagen, dass die Deutschen verschlossen sind. Vielleicht habe ich ja nur „offene Deutsche“ getroffen (Lächelt), aber in jeder Gruppe fühlte ich mich bisher wohl. Eine am Anfang verspürte Distanz verschwindet jedoch ganz schnell, wenn man weiteren Umgang miteinander pflegt.

Individualismus ist meiner Meinung nach eine Sache, die sowohl Ukrainer als auch Deutsche innehaben. Vielleicht haben die Deutschen ein bisschen mehr davon. Sie konzentrieren sich mehr auf sich selbst als Ukrainer. Aber ich glaube, dass wir uns in diesem Punkt sehr ähneln.

Die Ukraine könnte Deutschland beibringen, wie man sich für das Wohl des ganzen Landes einsetzen kann. Unser Volk hat gezeigt, wie man mit Extremsituationen umgehen muss. Menschen, die einander überhaupt nicht kennen, helfen einander aus tiefster Seele.

Die Deutschen sollen lernen, das zu schätzen, was sie haben. Sie streben nach vielen Sachen, sollten aber ab und zu auch mal um sich herumschauen. Sie sollen sehen, was andere haben, um dann zu erkennen, was sie selbst besitzen.

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Querverweise

Projekte:  Ukraine bin ich

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Julia Barshadska

• geb. 1990
• Kiew
• studierte  "Deutschland- und Europastudien“  an der  Nationalen Universität Kiew-Mohyla-Akademie und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
• macht derzeit Promotionsstudium an der Ukrainischen Freien Universität in München
• wohnt in München

Diese Arbeit ist entstanden als eigenverantwortliches Projekt (EVP) im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres im politischen Lebens

Träger des FSJ Politik sind die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), Landesverein Sachsen-Anhalt e. V.
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