Logo Junge Akademie WittenbergJunge Akademie Wittenberg

Nadia Telenchuk / Foto: Kateryna Chernii / Evangelische Akademie Wittenberg

Bericht

Nadia Telenchuk

Nadia Telenchuk ist eine sowohl aktive als auch inspirierende Persönlichkeit. Nadia hat viele verschiedene Fähigkeiten und Talente. Sie erzählt euch, wie es ist, als Ukrainerin in Deutschland zu studieren, eigene Gedichtsammlungen zu veröffentlichen, politisch engagiert zu sein und dabei  nicht zu vergessen, jeden Moment des Lebens zu genießen.

Jeder hat seine eigene Vorstellung vom Glück. Für mich ist Glück eine Entwicklung. Glück ist nicht, auf einer Stelle stehen zu bleiben, weil unsere Welt sich so schnell verändert  und wenn man einfach still auf einer Stelle steht, dann zieht die Welt an einem vorbei. Ich fürchte mich immer davor, etwas nicht zu  schaffen. Damit meine ich, dass ich es nicht schaffe, etwas zu sehen, zu machen, irgendwohin zu gehen oder etwas zu erleben.

Ich habe nie genug Zeit. Selbst wenn der Tag 72 Stunden hätte,      könnte ich nicht alles schaffen. Dass ich kaum Zeit habe, sehe ich      jedoch auch als Freiheit an.
 

Beim Gedichte schreiben inspirieren mich Menschen und Emotionen, die ich mit diesen Menschen und dank dieser Menschen erlebe. Gefühle sind eigentlich eine Sprache für sich. Sie sind eine andere Sprache, oder sogar weit mehr als eine Sprache, weil sie aus dem Inneren kommen. Ich kann mich nicht hinsetzen und sagen: "Ich muss jetzt ein Gedicht schreiben!“ Nur  wenn mich etwas wie ein «Schlag» irgendwo von oben trifft, lasse ich alles stehen und liegen, egal ob ich mich auf die Prüfung vorbereite, ob ich irgendwo unterwegs bin, oder nachts im Bett liege. Ich wache dann auf, damit ich diesen Gedanken festhalten kann und schreibe dann ein Gedicht.

foto_1_shop_0.jpg

Ich empfinde es als eine bürgerliche Pflicht, unserer Gesellschaft zu helfen. Als ich vor kurzem mein drittes Buch veröffentlicht hatte, ging ich in die Ukraine, um es dort vorzustellen. Das gesamte Geld, das ich aus dem Verkauf der Gedichtsammlungen bekommen habe, habe ich den Einwanderern aus dem Osten der Ukraine übergeben.

Wir sind sehr herzensgut. Das ist die ganze Ukraine. Wir sind sehr herzensgut, warm und offen. Ausländer verstehen es irgendwie leider nicht. Ich will, dass sie mehr darüber erfahren. Ich versuche einfach, die Ukraine ohne irgendwelche Vorurteile und so wie sie ist der deutschen Gesellschaft,  meinen Freunden aus Europa und dem Europäischen Jugendparlament, vorzustellen. Es ist toll, wenn diese Menschen dann die Augen gegenüber einer Menge verschiedener Dinge öffnen.

Die deutsche Jugend unterscheidet sich nicht von der ukrainischen in dem Sinne, dass in unserem Alter alle lieben, reisen und neue Erfahrungen sammeln wollen. Einige sagen, dass die Deutschen kälter oder verschlossener sind. Sie sind einfach anders. Wir sind daran gewöhnt, anderen immer zu vertrauen und sich zu öffnen, ob es sich lohnt oder nicht. In dieser Hinsicht sind die Deutschen sehr behutsam und bedächtig und wissen genau, was sie anderen Menschen von sich zeigen oder wo sie eher Abstand halten.

foto_2_shop_0.jpg

Die menschliche Natur ist überall gleich, egal wohin man fährt. Aber um zu den inneren Schichten eines Menschen zu gelangen, muss man in den einzelnen Ländern unterschiedliche Sachen tun und durchaus geduldig bleiben.

Wenn man eine Person schon näher kennt, spielt es keine Rolle, welche Sprache sie sprechen oder woher sie kommen. Es reicht schon, in der Küche zu sitzen, einen Tee zu trinken, und es gibt keinen Unterschied zwischen der Ukraine und Deutschland mehr.

Wenn man die Arbeit des Europäischen Jugendparlaments in der Ukraine mit der in Deutschland vergleicht, zeigt sich, dass in der Ukraine auf persönlicherer und nicht so formelle Art und Weise gearbeitet wird. In Deutschland gibt es strenge Verfahren innerhalb des Parlaments. Es gibt eine riesige Datenbank mit allen wichtigen Tipps und Anforderungen, was und wie zu tun ist. Wir müssen erst noch die deutsche Effizienz lernen.

Deutschland hat mir beigebracht, immer pünktlich zu sein und der Ordnung im eigenen Kopf mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Um mich herum war nie Unordnung. In meinem Kopf herrschte jedoch häufig Chaos. Es ist schwierig, es ist sehr schwierig.

Ich wünsche allen, offener zu sein, mehr Freude zu einander zu bringen und ihnen Zärtlichkeit zu schenken.

foto_3_shop_0.jpg

 

Querverweise

Projekte:  Ukraine bin ich

print

Suche

Nadia Telenchuk

• 1993
• geb. in Kherson / Kiew
• studiert Internationale Wirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
• seit 2013 Mitglied des Nationalen Schriftstellerverbandes der Ukraine
• schreibt Gedichte auf Ukrainisch, Russisch und Englisch
• stellt Ukraine im internationalen Prosa-Projekt "Die Krise im Inneren - innere Krise" vor
• im Jahr 2014 hat sie ihre dritte Gedichtsammlung "Tender" veröffentlicht
• arbeitet aktiv bei der NGO "European Youth Parliament – Ukraine" mit
• wohnt in Berlin

Angesehene Persönlichkeiten

  Myroslava Gongadse ist eine ukrainische Journalistin und zivilgesellschaftliche Aktivistin.

• Sevgil Musaieva-Borovyk ist eine ukrainische Journalistin und zivilgesellschaftliche Aktivistin krimtatarischer Abstammung. 

 Natalya Gumenyuk ist eine ukrainische Journalistin, Aktivistin und Lektorin.

Diese Arbeit ist entstanden als eigenverantwortliches Projekt (EVP) im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres im politischen Lebens

Träger des FSJ Politik sind die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), Landesverein Sachsen-Anhalt e. V.
Gefördert wird das FSJ Politik durch den Europäischen Sozialfonds über das Land Sachsen-Anhalt sowie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

                logo_seit_1949_ijgd_0.jpg

signet-lsaeu-emlem_esf_4c.jpg
            

Unterstützung

Projekt "Ukraine bin ich" wird von "Think Big" unterstützt.
"Think Big ist ein gemeinsames Programm der Fundación Telefónica und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit O2."

think_big_logo_rgb.jpg

Gefördert durch:

Ein Großteil der Jugendbildung der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt findet im Rahmen der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung statt und wird im Rahmen des KJP vom BMFSFJ gefördert.

bmfsfj.gif