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Gruppenfoto zum Abschied

Bericht

Kindererzieher haben das letzte Wort im Projekt "Azubis treffen Politik"

Noch ein Tag bis zu den Ferien – erleichtert, dass alle Noten bereits vergeben sind, aber auch gespannt und ein wenig skeptisch trudeln die Auszubildenden zur ErzieherIn der BbS J.P.C Heinrich Mette an diesem Morgen im Klassenraum ein. Der Vormittag ist gut vorbereitet – die Aufgaben sind verteilt, die Fragen liegen quasi auf der Hand. Werden die PolitikerInnen auf ihre Fragen eingehen? Wird die Atmosphäre aufgelockert sein und sich ein offenes Gespräch entwickeln? An diesem Morgen sind Frau Waltraud Wolff (SPD, Mitglied des Deutschen Bundestages) und Herr Matthias Hellmann (FDP Kreisvorsitzender des KV Harz) zu Gast. Und bereits bei Vorstellungsrunde wird deutlich, dass die PolitikerInnen gar nicht so weit von der Lebenswelt der Auszubildenden entfernt sind  - so kennt sich Waltraud Wolff, eine ehemalige Sonderschullehrerin, mit Ausbildungs- u. Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen sehr gut aus und Matthias Hellmann hat die Herausforderungen und Schwierigkeiten, denen junge Menschen während einer 3-jährigen Ausbildung ohne Gehalt begegnen, am eigenen Leib erfahren. Wie gut sie sich mit dem Tätigkeitsfeld von ErzieherInnen auskennen, mussten sie dennoch zu Beginn der Diskussionsrunde unter Beweis stellen. Die Auszubildenden hatten spezifische Fragen vorbereitet, um den Gästen auf den Zahn zu fühlen. Diese Fragen vermittelten bereits ein deutlicheres Bild von der Bandbreite an Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Herausforderungen, welche mit dem Beruf der ErzieherIn einhergehen: Was schätzen Sie, welche Aufgaben hat eine ErzieherIn im Kinderheim im Vergleich zur Kindertagesstätte? Welche konkreten Kompetenzen braucht eine ErzieherIn? Was würden Sie tun, wenn sie mit 13 Kindern alleine sind und ein Kind Hilfe dabei braucht, auf die Toilette zu gehen? Stellen Sie sich vor, Eltern kommen zu Ihnen und fragen, warum Eltern, die arbeiten den Kita-Platz selbst bezahlen müssen, während Eltern, die nicht arbeiten gehen den Platz nicht bezahlen müssen – was antworten Sie? Aus diesen Fragen entwickelte sich bereits ein intensives Gespräch über den Beruf der ErzieherIn (z.B. über die Aufsichtspflicht, über den Umgang mit Gewalt in Einrichtungen,  den Elternkontakt), auch über strukturelle Bedingungen wie den Betreuungsschlüssel und die Anpassung der Räumlichkeiten an das ab August in Kraft tretende Kinderförderungsgesetzes oder über Fördergelder für veraltete Einrichtungen und schließlich auch über das gegenwärtige Ausbildungssystem: über Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Schulen, den aktuellen Lernstoff und den Bedarf an Reformen, über Möglichkeiten einer Spezialisierung bei der Ausbildung und den Ansatz, schnelle Qualifikationsmaßnahmen für Arbeitslose zur ErzieherIn anzubieten. Die Auszubildenden flochten in das Gespräch immer wieder auch ihre eigenen Erfahrungen und ihre Kritik an aktuellen Entwicklungen ein – beispielsweise dazu, dass Kindertagesstätten räumlich bisher nicht ausreichend vorbereitet sind, um Kindern im Rahmen einer Ganztagsbetreuung zu entsprechen. Auf die Frage der PolitierInnen, ob sie denn die Wünsche und Erwartungen der Auszubildenden im Rahmen dieses Gespräches erfüllt haben, entgegneten diese, dass die Antworten ihrer Gäste interessant seien und zum Nachdenken anregen. 

Nachdenken, so die Auszubildenden, werden sie wohl jetzt weiterhin unter anderem über unterschiedliche Einstellungen zum neuen Kinderförderungsgesetz, die Idee der Überarbeitung des Ausbildungssystems (u. Spezialisierung), auch aber über die aktuellen Themen der Politik allgemein. Was sie zudem beschäftigt ist, was sich aus diesem Gespräch ergeben wird, inwiefern die Gäste sich für die Perspektive der Auszubildenden in ihrem politischen Handeln einsetzen werden. Als Erinnerungsstütze an ihre Perpsektiven und Themen gaben die Auszubildenden den PolitikerInnen Postkarten mit ihren Botschaften mit, welche sie am Vorbereitungstag gestaltet hatten – denn für sie ist „(…) entscheidend… dass Interessen und Meinungen auch von Azubis Beachtung finden“.

Querverweise

Schlagworte:  Azubis treffen Politik, Azubis und Partizipation

Projekte:  wählerIsCH

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