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Kateryna Pikalova / Foto: Kateryna Chernii / Evangelische Akademie Wittenberg

Bericht

Kateryna Pikalova

Es ist nicht einfach, mit 18 Jahren, direkt nach der Schule, das Haus, Freunde und die Familie zu verlassen und in ein anderes Land zu ziehen. Nachdem Kateryna Dnipropetrowsk verlassen hatte, trat sie in das Studienkolleg  Leipzig ein. Das Mädchen entlarvt lächelnd viele Klischees über Ostukrainer und erzählt, wie sich ihr Leben nach den sieben Monaten in Deutschland verändert hat.

Es gibt eine Besonderheit über mich: Ich sage nie, welcher mein Heimatort ist, weil ich keinen genauen Heimatort habe, da es die ganze Ukraine ist.

Ich bin eigentlich in Charkiw  geboren, lebte in der Region Sumy, dann kam es, dass ich in die Region Kirowograd ging  und später, als ich in der 4. Klasse war, bin ich mit meiner Familie nach Dnipropetrowsk umgezogen. Meine Mutter kommt aus der Region  Kirowograd, mein Vater aus der Region Zaporozhye und sie haben sich in Odessa kennengelernt. Wir sind eine Familie, die viel reist.

Ich habe in meiner Kindheit gelernt: - "Die Ukraine ist mein Land." Das habe ich niemals  in Frage gestellt.

Meine Generation scheint mir freundlicher zu sein als vorherige Generationen. Jeder versteht: "Zusammen ist man stärker" In jedem von uns steckt ein Teil der Ukraine und  wir müssen am besten mit Würde sagen: "Ich bin aus der Ukraine. Ich bin Ukrainerin". Wenn ältere Generationen von einer nicht unabhängigen Ukraine sprechen, ist das für uns seltsam. Wie war das? Wir wissen es nicht, da wir immer in einer unabhängigen Ukraine gelebt haben.

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In letzter Zeit wurde mir klar, dass der Frieden für mich sehr wichtig ist.

Früher habe ich gelernt, dass Frieden eine gute Sache ist. In der jetzigen Situation verstehe ich es noch besser, wie wichtig Frieden wirklich ist.

Mit meinen Eltern spreche ich Ukrainisch. In der Schule - Nein. Da ich oft umgezogen bin, habe ich fünf Schulen besucht und es unterschied sich von Schule zu Schule. Die erste, zweite und dritte Klasse sprach ich Ukrainisch in der Schule, in Dnipropetrowsk  Russisch. Ich habe viele Freunde, mit denen ich mich auf Russisch unterhalte, aber ich weiß, dass sie  zu Hause Ukrainisch sprechen. Da frage ich mich: Warum? Warum sprechen wir miteinander nicht auf Ukrainisch?

Viele staunen darüber, dass ich sowohl Ukrainisch als auch Russisch spreche. Ich bin froh, dass ich beide Sprachen kann.

In der Ukraine gibt es ein Sprichwort, was übersetzt bedeutet:              „Ich bin so viele verschiedene Menschen, wie ich verschiedene       Sprachen beherrsche.“

Die Deutschen sind verantwortungsbewusst. Sie haben auch eine Menge schlechte Dinge erlebt, aber sie haben diese überstanden und sie haben an sich gearbeitet. Es ist ihnen nicht egal, sie sind nicht gleichgültig.

Bei uns hört man manchmal: "Warum sollte eigentlich ich…?", aber langsam fangen wir an aufzuwachen.

Im vorigen Jahr habe ich hier in Berlin gewählt. Ich habe einen Tag im Studienkolleg verpasst, bin nach Berlin gefahren, um mich für die Wahl anzumelden. Ich denke, es ist notwendig. Ich konnte es nicht anders machen.

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Vor einem Jahr entdeckte ich  die moderne ukrainische Literatur und seine Autoren - Maria Matios, Lyuko Dashvar. “Milch und Blut" von Lyuko Dashvar ist mein Lieblingsbuch geworden. Jetzt lese ich gerade Serhij Schadan. Schadan ist gegen alle und alles, aber er beschreibt unsere Realität. Vor kurzem habe ich das Buch "Warme Kaffee-Geschichte" von Nadia Herbesh beendet.  Dieses Buch inspirierte mich, Freude in den kleinen Dingen zu suchen und in jedem Tag etwas Gutes zu sehen. Ich denke, diese Wünsche sind wichtig für die Menschen aller Länder, egal ob du Spanier, Italiener  oder Deutscher bist. Jeder will glücklich sein und jeder will sein eigenes Glück finden."

Eigentlich möchte ich Simultandolmetscherin werden, da ich die Kommunikation mit Menschen interessant finde. Aber Belletristik würde ich auch gerne übersetzen. Ich möchte ukrainische Literatur populärer machen, aber es ist sehr schwierig, wenn es keine Übersetzung gibt und es die Werke nur auf Ukrainisch gibt.

Deutschland hat mir beigebracht, unabhängig zu sein. Davor musste ich mir keine Gedanken machen. In Deutschland habe ich angefangen, alles auszuschreiben und zu planen. Ich versuche mich zu disziplinieren."

"Wir müssen uns gegenseitig helfen. Damit meine ich nicht etwas Globales, sondern schon bei Kleinigkeiten. Wenn wir uns gegenseitig jeden Tag helfen, kommen diese guten Sachen auch zurück. Das finde ich sehr wichtig."

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Querverweise

Schlagworte:  Ukraine

Projekte:  Ukraine bin ich

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Kateryna Pikalova

• 1996
• letzter Wohnort: Dnipropetrowsk
• studiert am Studienkolleg in Leipzig
• plant „Übersetzung“  an der
  Universität zu studieren
• wohnt in Leipzig

Diese Arbeit ist entstanden als eigenverantwortliches Projekt (EVP) im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres im politischen Lebens

Träger des FSJ Politik sind die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), Landesverein Sachsen-Anhalt e. V.
Gefördert wird das FSJ Politik durch den Europäischen Sozialfonds über das Land Sachsen-Anhalt sowie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

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Unterstützung

Projekt "Ukraine bin ich" wird von "Think Big" unterstützt.
"Think Big ist ein gemeinsames Programm der Fundación Telefónica und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit O2."

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Über Projekt "Ukraine bin ich"

"Ukraine bin ich" ist ein Projekt unserer ukrainischen Freiwilligen Kateryna Chernii. Sie stellt engagierte Jugendliche aus der Ukraine vor und zeigt die Ukraine als vielseitiges Land ...mehr

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