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Anastasia Lavoshnivova / Foto: Anastasia Vishnevskaya

Bericht

Anastasia Lavoshnikova

Anastasia inspiriert mit ihrer Offenheit und Interesse am Leben in jeder ihrer Ausprägungen. Sie beweist, dass Lernen nicht nur bedeutet, an die Universität zu gehen, sondern auch aus Erfahrungen und Kenntnissen besteht, die man in der Welt sammeln muss. Man muss lernen, zu sehen, zu fühlen, zu denken, sich Ziele zu setzen und dies dann zu verfolgen. Man muss auch an andere denken, darf sich dabei aber selbst nicht vergessen.

In Odessa habe ich Internationale Beziehungen studiert, die in Wirklichkeit nicht besonders „international“ waren. An unserer Fakultät hatten wir keine ausländischen Studierenden. Wir lernten die Sprachen, aber hatten keine Möglichkeit, unsere erworbenen Sprachkenntnisse mit Muttersprachlern zu üben  oder überhaupt mit Ausländern an der Uni zu reden. Dort habe ich dann begriffen, dass ich mich mehr in die internationale Richtung entwickeln muss.

Ich habe es geschafft, ein Stipendium Erasmus Mundus zu bekommen. So bin ich nach Deutschland gekommen, wo ich eine Studentin im Masterstudiengang „Global Studies“ an der Universität Leipzig geworden bin. Leipzig selbst ist eine sehr schöne Stadt, die ziemlich ruhig zum Studieren ist und dennoch viele gute Möglichkeiten bietet. Es gibt viele Museen, Theater, Kinos, Festivals sowie viele ausländische Studierende. Was brauche ich denn noch, wenn es in meiner Gruppe an der Universität Studierenden aus aller Herren Länder gibt. Es ist unglaublich!

Mein erster großer Erfolg war das Gewinnen der Goldmedaille auf einer ukrainischen Spracholympiade für Türkisch vor zwei Jahren. Mit mir haben andere Studierende an dieser Spracholympiade teilgenommen, bei denen die Masse entweder einen türkischen Elternteil hatte oder schon seit der Kindheit türkisch lernen. Ich habe drei Jahre vor der Olympiade angefangen, türkisch zu lernen. So habe ich gemerkt, dass ich ein Sprachtalent habe, das ich weiterentwickeln wollte. Sicherlich war es ein großer Schritt für mich, ein Stipendium für ein Masterstudium zu bekommen. Das ist sehr toll. Das ist eine große Möglichkeit.

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In letzter Zeit, wenn wir politische Prozesse aus historischer Perspektive betrachten, fragen meine Kommilitonen mich oft, was in der Ukraine passiert ist. Ich bemühe mich immer darum, alles möglichst objektiv zu erklären. Ich stelle ihnen Fragen, die sie anregen sollen, damit sie verstehen, was richtig und was falsch ist. Ich bemühe mich, mit beiden Beinen auf der Erde zu bleiben, und erzähle, was ich selbst davon gesehen habe, was in der Ukraine passiert. Wenn ich von der Ukraine erzähle, dann rede ich auch über unsere Kultur, die ein sehr großer und wichtiger Teil unseres Landes ist.

Vielleicht sind es irgendwelche Kleinlichkeiten, aber ich denke, dass die touristische  Kultur in der Ukraine interessanter ist als in Deutschland. Sie ist besonders mit ihrer Herzlichkeit.

Hiermit meine ich keine Denkmäler, die es überall gibt und die man nicht einfach so neu errichten kann, sondern Cafés und ähnliches. Hier gibt es weniger Kreativität und Flexibilität, wie z.B. in Lemberg, wo man über den Preis verhandelt und die Gespräche zwischen Verkäufer und Kunde schon sehr lustige Formen annehmen kann.
Da könnten sich Deutsche eine Scheibe abschneiden. Aber wie kann man jemandem Herzlichkeit beibringen?  

In der ersten Linie ist die Ukraine nicht nur ein Land, sondern Menschen. Die Menschen erschaffen und entwickeln die Ukraine. Wenn man bedenkt, hat unser Land so viele unglaublich talentierte  Menschen, über die die Ukraine oft selbst keine Ahnung hat.

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Mein Aufenthalt in Deutschland hat mir geholfen, zu verstehen, dass ein Verantwortungsgefühl und  Individualismus, welche sehr gut in Deutschland entwickelt sind, ein Fundament für eine gut funktionierende Gesellschaft ist. Die Deutschen haben mir beigebracht, dass wenn du willst, dass dein Land gut funktioniert, dann musst du es öffentlich kritisieren und dabei aber sachlich bleiben. Außerdem verstehst du, dass hier alles funktioniert, weil die Menschen hier es selbst in die Hand nehmen.

Mein Zukunftsplan ist verrückt, aber trotzdem realistisch. Ich möchte in das UNO System hinein. Besonders interessant finde ich UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen). In der Zeit, in der alle diese furchtbaren Konflikte von den Entscheidungen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, der nicht funktioniert, abhängig sind, leiden Menschen. Sie flüchten in andere Länder und brauchen dort dringend Hilfe. Sie haben weder Nahrung noch Arbeit.

Was die Frage angeht, wo ich arbeiten möchte, ist es mir relativ egal, wo genau. Ist es nicht egal, wo wir uns befinden, wenn wir etwas Wichtiges machen? Probleme gibt es überall, weswegen man diese auch vom Büro in New York, zum Beispiel in Afrika, lösen kann. Das Wichtigste ist, dass es Ergebnisse bringt, die für den größten Teil der Menschen wünschenswert ist.

Mein Plan ist, ein Praktikum bei der UNO oder der OSZE (Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) zu bekommen. Beide Organisationen beschäftigen sich im Großen und Ganzen mit denselben Themen. Aber die OSZE macht für mich attraktiv, dass sie ein Hauptaugenmerk auf die Ukraine richtet und mir meine Sprachkenntnisse somit helfen können.

Die Fotografie ist mein liebstes Hobby, das sich sehr gut mit dem Reisen verbinden lässt. Ich mag reisen und etwas Neues über andere Menschen und Kulturen zu lernen. Im Prinzip ist das Wort „Kultur“  eine gute Bezeichnung für mich. Ich mag das Kino ebenfalls sehr, weil dies ebenfalls ein gutes Medium ist, um Informationen zu erhalten. Trotz alledem beschäftige ich mich mit Politik. Obwohl, wenn man bedenkt, ist eine Politikkultur ein wichtiger Bestandteil für einen Staat.

Man muss sich immer weiter entwickeln und nie stoppen. Das ist ein sehr wichtiger Moment, den viele vergessen, wenn sie die Universität abschließen. Man muss immer weiter gehen.

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Querverweise

Projekte:  Ukraine bin ich

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Anastasia Lavoshnikova

• geb. 1992
• Odessa
• studiert „Global Studies“ an der Universität Leipzig
• Stipendiatin von Erasmus Mundus Programm
• nimmt aktiv beim NGO "European Youth Parliament – Ukraine" teil
• Freiwillige bei unterschiedlichen Filmfestivals ( Odessa International Film Festival, DOK Leipzig)
• wohnt in Leipzig

Diese Arbeit ist entstanden als eigenverantwortliches Projekt (EVP) im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres im politischen Lebens

Träger des FSJ Politik sind die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), Landesverein Sachsen-Anhalt e. V.
Gefördert wird das FSJ Politik durch den Europäischen Sozialfonds über das Land Sachsen-Anhalt sowie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

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Unterstützung

Projekt "Ukraine bin ich" wird von "Think Big" unterstützt.
"Think Big ist ein gemeinsames Programm der Fundación Telefónica und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit O2."

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Gefördert durch:

Ein Großteil der Jugendbildung der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt findet im Rahmen der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung statt und wird im Rahmen des KJP vom BMFSFJ gefördert.

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